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Am allerliebsten wäre der 911er Hausmeister auf der Enterprise

Glückwunsch zum 25-jährigen Dienstjubiläum als Ausbildungsmeister in der Schreinerlehrwerkstatt in Von der Heydt: Patrick Primm ist der „Maschinenflüsterer“ beim Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar – eben weil er es kann.

Bildnachweise: Privat & inplan-media

Dass dieser Bub einmal Schreiner werden würde, war so klar wie Kloßbrühe: Der Vater Schreinermeister mit eigenem Betrieb und die Mutter aus gutem Hause und einem Unternehmen, das auch eine Schreinerwerkstatt zu betreiben hatte. War doch klar, dass der berufliche Werdegang des kleinen Patrick vorgezeichnet war.

Und es kam, wie es kommen musste. Inzwischen ist viel Zeit vergangen, aus dem talentierten Lehrling längst ein Meister seines Fachs geworden, den im Saarland jeder kennt, der in den vergangenen 25 Jahren eine Ausbildung zum Schreiner gemacht hat. Patrick Primm ist Ausbildungsmeister in der Schreinerlehrwerkstatt in Saarbrücken- Von der Heydt. Und das ist auch gut so! Der 52-Jährige ist klar der „Maschinenflüsterer“ beim Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar. Wenn es etwa darum geht, die Altendorf F45 oder die Kundig Uniq oder auch die Schuko Octopus 20 im Werkraum wieder instand zu setzen – kein Problem für Patrick Primm mit seinem allumfassenden Sachverstand und vor allem seiner unbändigen Lust, sich in komplexe Technikwelten einzuarbeiten.

„Das war schon immer so“, sagt der Mann, der (fast) alles im Technikbereich kann. Was nicht zuletzt auch daher kommt, dass er von 1993 bis 1995 in der damaligen Europazentrale des US-amerikanischen Wohnmobil-Herstellers Winnebago in Kirkel neben seiner Schreinertätigkeit im Innenausbau auch eine inoffizielle Kfz-Lehre erfahren durfte. „Ganz einfach, weil ich Bock drauf hatte“, wie er sagt. Leider war das Winnebago-Abenteuer zwar spannend und lehrreich, aber eben auch kurz, weil der Konzern mit Hauptsitz in Forest City, im Winnebago County des US-amerikanischen Bundesstaates Iowa, sein Europageschäft komplett auf neue Füße stellte und die Dependance im Saarland aufgeben musste. Die Folge: Patrick Primm war plötzlich arbeitssuchend und schon kurze Zeit später auf der Gehaltsliste des Wirtschaftsverbandes, weil dort, befristet für ein Jahr, Gerhard Weiand die Geschäftsführung im Büro unterstützen sollte und sein Platz in der Lehrwerkstatt als Ausbildungsmeister neu besetzt werden musste. Es kam anders als geplant, wie das 25-jährige Dienstjubiläum von Patrick Primm eindrucksvoll beweist.

Kontinuität eines Vierteljahrhunderts am gleichen Arbeitsplatz und beim selben Arbeitgeber verschleiert allerdings die unglaubliche Vielfalt, die in dem Mann steckt, der von sich sagt, dass er am allerliebsten „Hausmeister auf der Enterprise“ wäre. „Scotty, beam uns hoch“, möchte man als Kenner der kultigen Science-Fiction- Serie dazu gerne sagen.

Die Qualifikation für solch einen stressigen Weltraum-Job würde man ihm durchaus zubilligen. Vor allem, wenn man bedenkt, in welch‘ unterschiedliche Technik-Galaxien er sich in seinem Leben schon vorgewagt hat.

Mit 15-einhalb ist er dann bei seinem Vater in die Lehre gegangen, es folgte dann 1991 die Meisterreife bei Alfons Kirsch an der Staatlichen Meisterschule für Schreiner- und Holztechniken, wie die Schule in Von der Heydt damals noch hieß. Zur Bundeswehr wollte Patrick Primm nicht, wurde stattdessen Zivildienstleistender und erledigte mobile soziale Hilfsdienste für Senioren. Eine prägende Zeit, an die er sich gerne erinnert.

Gleiches gilt für seine Zeit als Radsportler, eine weitere Passion des umtriebigen Tausendsassas: „Von klein auf war Radfahren ein Muss für mich. Regelmäßig habe ich zwischen 13 und 15.000 Kilometer im Jahr heruntergespult. Meist im schönen Bliesgau, dort kenne ich jedes Sträßchen und jeden Waldweg.“ Radcross war nämlich seine bevorzugte Disziplin, den er auch wettkampfmäßig intensiv zwischen seinem 16. und 30. Lebensjahr bestreiten sollte. Muss noch erwähnt werden, dass er sich auch die speziellen Querfeldeinräder weitgehend selbst gebastelt und instand gesetzt hat? „Hauptsache ich hab‘ Spaß, war meine Devise. Und den hatte ich auch in den rund 15 Jahren meiner Radkarriere.“ Dort, so erzählt er, hatte er es mit äußerst prominenten Konkurrenten wie dem späteren Olympiasieger Andreas Walzer oder auch Radcross-Weltmeister Mike Kluge zu tun, mit dem ihm gar eine echte Kameradschaft verbunden hat, wie er nicht ohne Stolz sagt.

Nur nebenbei: Von 1997 bis 2002 war er nebenberuflich Geschäftsführer in der elterlichen Schreinerei Horst Schaefer GmbH in Saarbrücken-Burbach, nachdem er zuvor von 1998 bis 2001 sein technisches Wissen durch ein ebenfalls nebenberufliches Studium der Volksund Betriebswirtschaftslehre an der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie ergänzt hat. „Ein großer Traum von mir war schon sehr früh, selbst CNC-Lehrgänge zu halten.“ Nur logisch, dass er einer der ersten im Saarland war, der an der Volkshochschule einen CAD-Kurs belegt hat. Das muss in der Frühzeit der Computertechnik gewesen sein. Man möchte meinen: dieser notorische Wissensdurst war und ist sicher nicht zum Schaden für die Schreinerlehrlinge im Saarland.

Aber wie sind die heutzutage überhaupt und macht ihm seine Arbeit nach so vielen Jahren noch Spaß? „Die Lehrlinge heutzutage haben eine viel bessere Humankompetenz als früher, dafür merkt man ihnen die permanente Reizüberflutung an, was dazu führt, dass sie sich nicht mehr so lange und dauerhaft auf eine Aufgabe konzentrieren wollen und können“, sagt er mit nachdenklicher Stimme. Auch werde der Stoff in der Lehre immer komplexer, nicht zuletzt wegen der digitalisierten Maschinen. „Das macht die Ausbildung nicht unbedingt besser.“ Er selbst sei einfach hier hängengeblieben und macht seine Arbeit gerne. Vor allem, wenn komplexe Aufgaben anstehen. Meine Arbeitsmaxime ist: „Am liebsten mache ich alles selbst – schnell und gründlich. Ich liebe die Schnelligkeit.“

Diese große Liebe bestimmt auch seine übrigen Hobbys: vor allem schnelle Autos und Flugzeuge, aber auch Dauerläufe und Kampfsport als körperlichen Ausgleich zur Denkarbeit in der Werkstatt. Wenn die Frage nach den Autos kommt, gerät der sonst eher zugeknöpfte Mann regelrecht ins Schwärmen. Geboren am 9.11. sagt er von sich: „Ich bin der 911er“, weil er nichts mehr liebt als seinen Porsche 911. Klar, der musste es sein – bei dem Geburtsdatum. Nur zu gerne erzählt er in diesem Zusammenhang von seinem eigens konzipierten und selbst zusammengeschraubten Wohnmobil auf Basis eines VW-Busses, vom schnellen BMW 335i mit 400 PS, den er mit Liebe zum Detail „aufgemotzt“ hat, bis hin zu seiner Steigerung in Richtung Traum-Porsche – und da natürlich hin zum 911er 997 Turbo mit wuchtigen 500 PS.

Die Frage war lange nur, „wie kann ich mir als angestellter Schreinermeister eine Rennrakete für 100.000 Euro oder mehr leisten?“ Die Antwort: Geduld und zielgerichtetes Sparen.

Für sein zwischenzeitliches Hobby als Rennmechaniker bei Piro Sports, dem Rennstall von Erwin Piro aus Heusweiler, hatte Primm von 2014 bis 2016 seine Stundenzahl in der Lehrwerkstatt Richtung Teilzeit heruntergeschraubt. Pro Jahr sechs Renntermine von mittwochs bis sonntags, anfangs in der Formel Renault 1,4 Nec, später in der Formel 4 und immer auf den berühmtesten Rennstrecken Europas, waren es ihm wert: Assen, Spa-Francorchamps, Zolder und natürlich Hockenheim-, Lausitz- und Nürburgring, nicht zu vergessen den Red-Bull-Ring in Spielberg in der Steiermark. Dass er bei solchen Anlässen auch schon mal mit Ralf Schumacher ins Gespräch gekommen ist, lässt er nur am Rande fallen.

Inzwischen lässt es der technikbesessene Vielkönner, der natürlich auch sein Haus mit seiner Hände Arbeit selbst errichtet hat, in der Freizeit etwas langsamer angehen: zwei bis drei Termine in der Hobbyrennserie Porsche Club Cup und das dort geforderte „Gleichmäßigkeitsfahren“ reichen ihm heute für den Geschwindigkeitsrausch – da muss er selbst lachen…

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