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Experiment gelungen, Fortsetzung folgt

Die Schreinerinnung des Saarlandes und die IKK Südwest testen in Schreinerklassen an saarländischen Berufsschulen einen modularen Workshop namens „Promote your Health“ als Teil der Offensive „Jobaktiv“.

Bildnachweise: HKH Saar & Jürgen Raber

Man traut seinen Augen nicht, seinen Ohren schon gar nicht. Ein Klassenraum, in dem es mucksmäuschenstill ist, das hat mehr als Seltenheitswert. Referentin Viviane Hähne ist gerade dabei, sämtliche Klischees über rabaukenhafte Handwerkerklassen in der Berufsschule zu widerlegen. Mehr noch. Da sitzen tatsächlich rund 20 Schreinerazubis und lauschen ihrer inneren Stimme und den zart gehauchten Anweisungen der Psychologin vor der Tafel, die Sätze sagt wie: „Schließt die Augen. Meine Augen sind sehr schwer. Ich bin vollkommen ruhig und gelassen. Arme und Beine sind angenehm schwer und wohltuend warm. Konzentriert Euch auf eure Atmung.“

Das Wunder von Neunkirchen passiert in Raum B119 im Technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrum Neunkirchen an einem sonnigen Vormittag im Frühling. Nur die Vögel vor dem Fenster durchdringen die vollkommene Stille. Viviane Hähne vermittelt den angehenden Handwerkern das Entspannungsverfahren Autogenes Training. Ein Klassiker der nachhaltigen Entspannung. Und: Sie scheint einen Draht zu den Schülern zu haben, denn sie machen ohne Murren mit, was ihre Lehrerin von ihnen will: „Kommt langsam mit den Gedanken in den Raum zurück, räkelt und streckt Euch und öffnet die Augen.“ Sofort erfüllt Gemurmel den frisch renovierten Klassensaal und die Schüler werden gefragt, ob Sie etwas gespürt haben. Und jetzt kommt das zweite Wunder: Das Feedback ist beinahe ausnahmslos positiv. Niemandem war es zu blöd, hier mitzumachen. Einer sagt, dass es für ihn sehr schwer war reinzukommen, aber genauso schwierig wieder rauszukommen aus dem Entspannungsmodus.

Aber Autogenes Training an einer Berufsschule? Gibt es solche Kurse sonst nicht eher an der VHS und gebucht eher von älteren Semestern? Eigentlich schon, aber wir erleben hier gerade Teile eines Experiments namens „Promote your Health“, also ein von der IKK Südwest geförderter Azubi- Workshop im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und Teil der Offensive „Jobaktiv“. Ausgedacht hat sich die Reihe, die erstmals im Saarland in den Schreinerklassen der Berufsschulen durchgeführt wird, ein Saarbrücker Unternehmen namens eXperts4health GmbH und dessen Geschäftsführer Marc Chapoutier.

Die Schreinerinnung in Person ihres Geschäftsführers Michael Peter, seines Zeichens auch Verwaltungsratsmitgliede der IKK, hat die Idee aufgegriffen und die Kontakte zwischen Berufsschulen und IKK hergestellt. Denn die Ziele von Krankenkasse und Innung decken sich: ein gesunder Einstieg in das Berufsleben.

Vermittelt werden fünf Bausteine, die mehr Power im Job durch richtige Ernährung und Bewegung, Stressmanagement und mentale Fitness versprechen – außerdem beschäftigt sich ein Modul mit Abhängigkeiten wie Rauchen, Alkohol oder Digitalkonsum. Viviane Hähne ist für den Baustein Stressmanagement gebucht. Dazu gehört ein Mitmachprogramm zum immergrünen Thema Zeitmanagement. Hier mit der ALPENMethode. Der Begriff „ALPEN“ hat nichts mit dem bekannten Hochgebirge zu tun, sondern ist ein Akronym für die fünf Arbeitsschritte, die das Konzept bei der Tagesplanung vorgibt: Aufgaben definieren, Länge schätzen, Pufferzeiten einplanen, Entscheidungen treffen und Nachkontrolle. Hier sind die Schüler hin- und hergerissen zwischen „brauche ich nicht“ und „das könnte mir im Alltag weiterhelfen“.

Auch die stellvertretende Schulleiterin Manuela Niedermeier und die Abteilungsleiterin Bau und Baunebengewerbe Birgit Hemmer sind angetan von dem, was hier an ihrer Schule neu probiert wird. Auch Schreinerin und Architektin Katrin Ludwig, die hier als Berufsschullehrerin die Schreinerklasse betreut, sieht das Engagement der IKK Südwest mit erklärtem Wohlwollen.

Szenenwechsel ans Technisch-gewerbliche Berufsbildungszentrum Saarlouis. Heute möchte sich Prof. Dr. Jörg Loth, der Vorstandsvorsitzende der IKK Südwest, selbst einen Eindruck über sein Experiment verschaffen und besucht zusammen mit dem Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar Michael Peter und dem Projekterfinder Marc Chapoutier die Schreinerklasse. Vor der Klasse hebt der IKK-Chef die Bedeutung jedweder Vorsorgemaßnahmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements hervor. Ziel immer: gesund bleiben und möglichst alles vermeiden, was krank macht. Er findet Gehör und die Schüler bescheinigen ihm, durch den Workshop bestimmt nicht dümmer geworden zu sein. Also: Etappenziel erreicht – und wie zu hören ist, wird die IKK Südwest ihr Engagement an den Berufsschulen fortführen und gar ausbauen.

„Die Tipps, die wir hier sammeln konnten, haben mich auf jeden Fall weitergebracht“, zieht Johanna Kiefer, Auszubildende zur Schreinerin, ein durchweg positives Fazit. „Gerade der Faktor Stress fällt einem eigentlich nicht als erstes ein, wenn man über Gesundheit nachdenkt. Sich damit auseinanderzusetzen ist aber sowohl privat als auch beruflich sehr wichtig“, meint ihr Mitschüler Til Klein.

„Wir nehmen die jungen Leute ernst, denn auch sie haben schon Bedürfnisse in Sachen Gesundheit“, erklärt Jörg Loth, der hier gerne vorbeigeschaut hat und sich sehr zufrieden mit dem neuen Angebot der IKK Südwest zeigte. „Es ist sehr wichtig, sich bereits frühzeitig mit dem Thema Gesundheit zu befassen, denn die Leistungsfähigkeit dienstlich und privat hängt einfach damit zusammen, wie gut man sich gesundheitlich fühlt.“ Er dankt auch der engagierten Referentin Viviane Hähne, die als freie Referentin für die IKK Südwest aktiv ist. Außerdem brach Jörg Loth eine Lanze für die Krankenkassen und besonders für die IKK Südwest, die hier gezielt eine frühe und nachhaltige Prävention anbiete. „Wer sich nicht sorgt, der hat nachher Probleme.“

 

Mehr Infos und Kontakt:

www.viviane-haehne.com

www.experts4health.com

www.ikk-suedwest.de