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Traumjob gesucht und gefunden

Schreinermeister Lukas Löhnig hat sich eine Aufgabe als Wissensvermittler gewünscht und sie in der Schreinerlehrwerkstatt in Von der Heydt gefunden. Der 33-jährige Homburger gehört dort jetzt zum Meisterteam und leitet federführend das Berufsorientierungsprogramm (BOP).

Bildnachweise: Privat, inplan-media & HKH Saar

Viele Menschen tun sich schwer, Arbeit und Familienleben ausgeglichen unter einen Hut zu bringen. Manche sind hier zu ehrgeizig, dass kaum noch Zeit für das andere bleibt – und umgekehrt. Lukas Löhnig hat diese Probleme nicht. Er strahlt aus und sagt das auch, dass gerade seine Work- Life-Balance so richtig im Lot ist. Zurückübersetzt aus dem Neudeutschen ist gemeint, dass er seinen Traumjob gefunden hat und auch noch genügend Zeit für Familie und Hobbys hat – was ihm ausgesprochen wichtig ist.

Lukas Löhnig hat gesucht, was er jetzt gefunden hat: eine Dreiviertelstelle in der Schreinerlehrwerkstatt in Von der Heydt, die ihn genau das machen lässt, was er schon immer wollte. Wissen vermitteln, Begeisterung entfachen für den vermeintlich schönsten Beruf der Welt. Da hat es einfach gepasst, dass der Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar eine Stelle neu besetzen wollte, die genau zu seinem Anforderungsprofil gepasst hat. Der 33-Jährige leitet jetzt federführend das Berufsorientierungsprogramm (BOP), das die Handwerkskammer Saar und das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn initiiert haben.

Im BOP wird im Rahmen eines Schulpraktikums interessierten 12- bis 15-jährigen Jugendlichen gezeigt, dass es nicht nur „IKEA“-Holz gibt – was viele meinen. Und überhaupt, was man mit dem wunderbaren Werkstoff Holz alles anstellen kann. „Es kommen in der Regel acht bis zwölf Schüler für drei Tage zu uns. Ich habe dann die ehrenvolle Aufgabe, sie für Holz zu begeistern und ihnen zu zeigen, wie vielfältig der Schreinerberuf sein kann.“ Lukas Löhnig sagt, dass es mit den Pubertierenden nicht immer einfach ist, er aber sehr gut mit ihnen klarkommt. Ganz einfach, weil er selbst eine 14-jährige Tochter hat. Nele sei also Dank, dass der Papa weiß, wie seine Praktikanten ticken.

Und was lernen die noch unbedarften Schüler von ihm? „Von einer kleinen Holzkunde über die Walderkundung bis hin zu kleineren Arbeiten mit Hammer, Hobel und Säge versuchen wir, in kürzester Zeit ein Feuer zu entfachen – was nicht immer ganz so einfach ist.“ Und warum nicht? „Viele Schüler haben Probleme mit der Disziplin und eine oft nur sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, da muss man sehr auf der Hut sein, um sie nicht zu langweilen, sie nicht zu verlieren.“ Der das sagt, hat offenkundig kein Problem, sich durchzusetzen. Und sein Programm zieht er auch durch. Das gelingt auch deshalb, weil er – bevor es losgeht – klare Ansagen in punkto Disziplin, Aufmerksamkeit und Ordnung macht. Schön nachzulesen auf einer Flipchart im frisch renovierten kleinen Bankraum der Schreinerlehrwerkstatt, seinem bevorzugten Arbeitsplatz für das BOP.

Und wie ist er selbst zu dem Beruf gekommen, für den er jetzt andere zu gewinnen versucht? „Ich bin ein klassischer Spätstarter und wusste lange nicht, wo die Reise beruflich hingehen soll. Schließlich habe ich im Zuge des Fachabi Design ein Praktikum in einer Schreinerei gemacht – und es war plötzlich alles klar.“ Das Fachabi hat er nie zu Ende gemacht, sondern mit 24 eine Schreinerlehre begonnen und mit Bravour und Leidenschaft abgeschlossen. Da gleiche gilt für die Meisterschule, die er als Jahrgangsbester und einem wahrlich sehenswerten Schreibtisch- Kunstwerk abgeschlossen hat.

Aber ihm war schnell klar, dass er mit seinem Meisterwissen nicht in irgendeiner Schreinerei arbeiten will, als ihn die glückliche Fügung eines Anrufs von David Hartmann ereilte, der ihn frank und frei gefragt hat, ob er sich vorstellen könne, für seine geplante Elternzeit die Vertretung in Von der Heydt zu übernehmen. Die Idee, künftig, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, in der Schreinerlehrwerkstatt Lehrlinge zu unterrichten, hat bei ihm voll ins Schwarze getroffen. Umso mehr, als dass er nach der beruflichen Babypause seines neuen Kollegen David Hartmann in Von der Heydt bleiben durfte – eben in Sachen BOP.

Kann man sagen, dass er seinen Traumjob gefunden hat? „Oh ja, das kann man. Hier ist es ideal für mich“, sagt ein Schreinermeister, der nie die Idee hatte, sich selbstständig zu machen und der gern „sein Geregeltes“ hat, wie er selbst sagt. Also verbindliche Arbeitszeiten und die Arbeit mit jungen Menschen.

„Schon mein Vater hat gesagt, guck, dass Du Lehrer wirst.“ Er wusste eben, dass der Mix aus Handwerk und pädagogischer Wissensvermittlung ideal für seinen Sohn sein würde. „Er kennt mich halt, denn schon als Bub war ich sehr naturverbunden, war ständig im Wald und habe bei der Oma im Garten nicht nur einmal einen Flitzbogen selbst gebaut.“

Lukas Löhnig wusste schon immer, was er wollte – und auch genau, was er nicht wollte. Sinnbildlich dafür steht sein jäh abgebrochenes Schülerpraktikum, das er in der Küche eines bekannten Homburger Hotels absolvieren sollte: „Da war ich nur einen halben Tag, dann bin ich nicht mehr hingegangen, weil ich gewusst habe, Koch werde ich nie!“ Aber zu Hause ohne Druck und Zwang kochen, immer wieder neue Sachen ausprobieren, gehört noch immer zu seinen bevorzugten Freizeitaktivitäten, verrät der Dauerkarteninhaber des FC 08 Homburg. Nur passend, dass er und seine vierköpfige Familie gar nicht weit vom Waldstadion entfernt wohnen.

Und was mag er nicht? „Wenn einer dieser schüchternen Schülerpraktikanten zu mir kommt und im Leierton von sich gibt: Herr Löhnig, ich kann das nicht!“ Wie er selbst sagt, bleibt er dann ganz ruhig und erwidert: „Ich bin sicher, Du kannst das. Du musst Dir nur mehr Mühe geben.“ Man muss nicht mal Mäuschen spielen, um zu erahnen, dass der Schüler dann sehr wohl schafft, was von ihm verlangt wird. Ja, hier hat jemand den Top-Job für sein Leben gefunden. Einer Babypause sein Dank.