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Wohnhandwerker trotzen Corona – noch!

Auch in diesem Jahr stand die traditionelle Frühjahrskonjunkturumfrage im saarländischen Schreinerhandwerk ganz im Zeichen von Corona. Freude herrscht bei den Mitgliedsbetrieben über die robuste Auftragslage, zunehmend werden allerdings Klagen über nervige Auflagen der Gesundheitsämter lauter.

Die schon obligatorische Frühjahrskonjunkturumfrage des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar bei seinen über 300 Mitgliedsbetrieben bringt an den Tag, was schon zu vermuten war: Die Corona-Pandemie scheint die saarländischen Wohnhandwerker bisher betriebswirtschaftlich und produktionstechnisch größtenteils verschont zu haben. Die Umfrageergebnisse helfen, Entwicklungen und Nöte der Betriebe gerade in der Corona-Pandemie zu erkennen, um eventuell gegenzusteuern. „Die Konjunkturumfrage gibt Erkenntnis darüber, wie sich die Betriebe personell, betriebswirtschaftlich und in Bezug auf die Auftragslage während der Corona-Pandemie entwickelt haben, aber auch wie gut oder schlecht die Unterstützungsmaßnahmen von Staat wahrgenommen wurden“, so Michael Peter, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar. Denn die Anfragen der Betriebe, wie sie sich in der Corona- Pandemie zu verhalten haben, so Peter, haben auch in diesem Jahr auf einem hohen Niveau angehalten. Seit einigen Wochen steigen außerdem die Nachfragen der Betriebe stark an, da die durch die Omikronvariante verursachten Quarantäneanordnungen seitens der Gesundheitsämter stark ansteigen und somit der Ausfall von Mitarbeitern stark zunimmt.

An der Konjunkturumfrage haben sich 21,7 Prozent der Betriebe beteiligt, was 66 Betrieben entspricht. 75,8 Prozent der teilnehmenden Betriebe sind als Schreiner in die Handwerksrolle eingetragen, 19,7 Prozent als Baufertigteilmonteure, 12,1 Prozent als Raumausstatter und 12,1 Prozent als Parkett- und Bodenleger. Mehrfachnennungen waren möglich. Durchschnittlich 7,27 Angestellte und 1,17 Lehrlinge waren 2021 in den teilnehmenden Betrieben beschäftigt. Der Kundenkreis gliedert sich dabei auf in 83,3 Prozent Privatkunden, 43,9 Prozent gewerbliche Kunden, 13,6 Prozent öffentliche Auftraggeber, drei Prozent Handel und 13,6 Prozent aus dem Bereich Bauträger Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich.

Die Corona-Pandemie hat im Jahr 2020 und zu Beginn von 2021 viele Ängste über den Wirtschaftsstandort Saarland geschürt. Von massiven Umsatzeinbrüchen, einer Insolvenzwelle oder Massenarbeitslosigkeit war die Rede. Doch bereits die letztjährige Konjunkturumfrage brachte Klarheit, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil, denn die saarländischen Wohnhandwerker konnten der Pandemie trotzen. 81,4 Prozent der Betriebsinhaber gaben an, dass sie im letzten Jahr ihren Umsatz gesteigert haben oder auf einem hohen Niveau halten konnten. Lediglich 18,5 Prozent mussten einen Umsatzrückgang verzeichnen. 13,9 Prozent konnten sich über eine Umsatzsteigerung von mehr als 30 Prozent freuen. Von den 18,5 Prozent der Betriebe mit Umsatzrückgang gaben 9,1 Prozent einen Rückgang von mehr als 30 Prozent an. Von einem generellen Umsatzeinbruch kann also auch im zweiten Corona-Jahr keine Rede sein.

Ein weiteres Merkmal hierfür ist auch die gestiegene Auftragsreichweite. Lag diese zu Beginn der Jahre 2014 bis 2021 zwischen 8,28 und 9,24 Wochen, konnte die Auftragsreichweite der Wohnhanderker zu Beginn des Jahres 2022 auf 11,12 Wochen gesteigert werden. Hier stechen jedoch einige Betriebe auch mit Auftragsreichweiten von drei bis neun Monaten deutlich heraus. Der Spitzenreiter kommt auf 38 Wochen.

Doch hatten die Betriebe trotz allem wirtschaftlichen Erfolg auch mit staatlichen Corona- Maßnahmen zu kämpfen? Hier wurde die Frage gestellt, ob Corona Auswirkungen auf die Produktion und den Mitarbeiterstamm hatte. Hier muss man festhalten, dass 50 Prozent der Betriebe Mitarbeiterausfälle durch längere Krankheiten oder staatlich angeordnete Quarantänen hatten. 9,4 Prozent der Wohnhandwerker musste coronabedingt sogar Kurzarbeit anmelden. 17,2 Prozent der Betriebe waren darüber hinaus von Produktions- und Tätigkeitseinstellung betroffen. Lediglich rund 39 Prozent hatten keine Auswirkungen durch Corona-Infektionen zu beklagen. Auf der Geschäftsstelle des Verbandes sind die Rückfragen zu positiv getesteten Mitarbeitern und Quarantäneanordnungen seit Jahresbeginn sprunghaft angestiegen. Hier scheint die zwar milder verlaufende aber infektiösere Omikronvariante in den Betrieben anzukommen.

Auch 2021 hat die Landesund Bundesregierung mit staatlichen Unterstützungsprogrammen versucht, dem Mittelstand unter die Arme zu greifen. Hierzu wurden die Betriebe gefragt, ob und wie die Unterstützungsmaßnahmen geholfen haben. Bei der Frage, ob die Betriebe die Unterstützungsmaßnahem für ausreichend hielten, antworten 68,2 Prozent mit ausreichend und 31,8 Prozent mit nicht ausreichend, 71,1 Prozent der Betriebe empfanden die Unterstützungsmaßnahmen als zu bürokratisch und lediglich 28,9 Prozent als einfach.

Zu Jahresbeginn waren Materialpreissteigerungen durch Materialknappheit auf den Weltmärkten in aller Munde. Wie sind die Wohnhandwerker von Materialengpässen und Materialpreissteigerungen im laufenden Geschäftsjahr betroffen gewesen? Von Materialengpässen in erheblichen Umfang betroffen waren etwas mehr als ein Drittel der Betriebe, knapp die Hälfte war nur in geringem Umfang betroffen. Laut Konjunkturumfrage konnten 70 Prozent der Betriebe die Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben.

Fazit: 2021 war trotz aller Widrigkeiten ein gutes Jahr für die saarländischen Wohnhandwerker.