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1,4 Millionen Euro Invest für den Zukunftsstandort Von der Heydt

Das Ergebnis der Modernisierungsmaßnahmen in der Schreinerlehrwerkstatt kann sich sehen lassen. Einhelliges Lob gab es am Tag der offenen Tür.

Bildnachweise: Seeber

Es gibt sie also tatsächlich noch: Bauvorhaben, die im Budget bleiben und sogar noch fristgerecht fertig werden. Fast ein Wunder – und ein Grund zum Feiern. Nur folgerichtig, dass zum Tag der offenen Tür anlässlich der großflächigen Modernisierungsmaßnahmen der Schreinerlehrwerkstatt in Von der Heydt spätsommerliches Königswetter die vielen Gäste begrüßen und gut gelaunt stimmen sollte. Ein Tag, wie gedrechselt zur Präsentation der 1,4 Millionen Euro teuren Umbaumaßnahmen. Ohne zu übertreiben lässt sich sagen, dass alle Anwesenden mindestens beeindruckt waren von der Metamorphose des teilweise denkmalgeschützten Gebäudes in eine helle, topmoderne, logisch gegliederte Lehrwerkstatt, in der sich noch viele Auszubildenden- Jahrgänge beim Erlernen des schönsten Handwerksberufes der Welt wohlfühlen dürften. Exakt diese Wohlfühlatmosphäre wollte Architekt Andreas Kiemle schaffen, als er seine ersten Entwürfe präsentiert hatte, die jetzt alle eins zu eins in die Tat umgesetzt wurden. Es ist ihm gelungen. Natürlich hat nicht alles und erst recht nicht alles sofort geklappt – am Ende aber eben doch.

Die illustren Gäste und die interessierten Mitglieder des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar waren einhellig der Meinung, dass gelungen ist, was hier langfristig geplant und solide finanziert und gefördert wurde. Etwa Thomas Radermacher, Präsident des Bundesverbandes Tischler Schreiner Deutschland und damit oberster Lobbyist der Schreiner hierzulande, sieht in dem Umbau exakt die richtige Botschaft für die Zukunft: „Hier wurden genau die richtigen Zeichen gesetzt, denn wir brauchen mehr Geld und Wertschätzung für die Ausbildung. Ich beglückwünsche Sie zu diesem Projekt, das eine echte Werbung für das Erlernen des Schreinerhandwerks ist.“ Dieses Lob von höchster Schreinerstelle freut natürlich auch Karl Friedrich Hodapp, Landesinnungsmeister und Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar, der in den Modernisierungsmaßnahmen einen „Quantensprung für die Schreinerausbildung im Saarland“ sieht. Verbandsgeschäftsführer Michael Peter, seines Zeichens auch Generalmanager des Umbaus, spricht gar von einem „Prachtstück“, für das er in nur unglaublichen vier Wochen die Baugenehmigung auf dem Tisch hatte. Er bekommt Applaus auch für das Durchstehen vieler schlafloser Nächte. Seine Frau Petra berichtet gar von aufreibenden Monaten, die sich letztlich aber gelohnt haben: „Wir hoffen jetzt, hier in Zukunft noch viele, viele Auszubildende begrüßen zu können. Wir haben die Schreinerlehrwerkstatt jetzt fit für die Zukunft gemacht, jetzt muss sie auch mit Leben gefüllt werden“, sagt der Verbandsgeschäftsführer und berichtet davon, dass im neuen Ausbildungsjahr 83 Lehranfänger die neuen Räumlichkeiten beleben werden. „Ein Plus von 20 Prozent gegenüber den Jahren zuvor.“ Das läuft also in die richtige Richtung.

Beim Rundgang mit Polit- und Branchen- Prominenz fällt zuallererst der jetzt durchgängige Flur positiv auf. Wo bis vor kurzem ein mächtiger Heizungsblock in der Mitte des Gebäudeensembles das Haus zum Labyrinth hat werden lassen, fällt jetzt die klare Struktur und durchgängige Barrierefreiheit ins Auge. Gut gemacht, Herr Architekt, möchte man an dieser Stelle Andreas Kiemle zurufen. Auch für die stilvoll abgehängte Odenwalddecke und dem damit einhergehenden Lichtkonzept muss man den Hut ziehen. Das Gebäude hat sich in ein in jeder Ecke freundlich-helles und transparentdurchlässiges Raumkonzept verwandelt. Andreas Kiemle wollte bewusst eine „Wohlfühlwerkstatt“ schaffen – und das ist ihm konzeptionell und mit Hilfe der richtigen Handwerksbetriebe auch gelungen.

Übrigens: Und das alles, während der normale Lehrbetrieb für Auszubildende und Meisterschüler weiterlaufen musste. „OP am offenen Herzen“, sagt Michael Peter dazu, dem an diesem Eröffnungstag die Erleichterung nach dem Gelingen ins Gesicht geschrieben steht. Saarlands Finanzminister Peter Strobel (CDU), selbst Mitförderer an dem Projekt wie auch das Wirtschaftsund Umweltministerium, ist sich sicher, dass diese neu gestalteten Räume jungen Leuten wieder Lust machen, den Schreinerberuf zu erlernen: „Sie haben hier einen großen Beitrag geleistet, das Handwerk im Saarland noch attraktiver zu machen, dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich danken.“

Ein Dankeschön in Form Ehrenurkunden und praktischen Geschenken des Trierer Förderkreismitglieds HEES + Peters konnten auch die Sieger des Wettbewerbs „Ich entwerfe mein Gesellenstück“ an diesem Tag entgegennehmen: Platz eins für Joshua Fischer, ausgebildet bei der Schreinerei Hodapp in Saarbrücken, Platz zwei für Peter Vogelgesang von der Firma W3RKRAUM, ebenfalls in Saarbrücken und für Platz drei wurde Beatrice Sauron vom CJD Homburg beglückwünscht.

Was gab es noch an diesem Feiertag in Von der Heydt? Etwa den Wettbewerb Saarlands Schreiner-Superstar, in dem sich die jahrgangsbesten Junggesellen der Qualifikation zum Bundesleistungswettbewerb stellen durften (siehe hierzu auch Text auf Seite 19). Dann die unspektakulär verlaufende Mitgliederversammlung von Fachinnung und Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar sowie die Produktpräsentationen aus dem Bereich der Partner, unter anderem mit dem CAD- und ERP-Programm der Firma PointLine im EDVSchulungsraum, nicht zu vergessen die bei den Schreinern heiß begehrten „grünen Smoothies und Säfte aus wilden Kräutern“, mit der die IKK Südwest dem heißen Tag eine kühle Erfrischung entgegensetzen wollte und konnte. Die Aktion der Innungskrankenkasse aus dem Saarland hatte das Motto „Raus aus der Zuckerfalle“ und wurde von IKKGesundheitsberaterin Ricarda Jung und von Ernährungsberaterin Miia Susanna Klein auf‘s Charmanteste betreut.

Nicht weniger eindrucksvoll war die großflächige Produktpräsentation von Förderkreismitglied ADLER Lacke im neuen Flur der Lehrwerkstatt: ADLERVerkaufsberater Steffen Elig war mit der Resonanz ebenso zufrieden wie BAMAKA-Vertreter Stefan Roßkothen, der den interessierten Betriebsinhabern die Vorteile der gut funktionierenden Einkaufsgemeinschaft der Bauwirtschaft näherbringen konnte: „Die Nachfragen waren zahlreich und die Überzeugungsarbeit gut – 37 Prozent Nachlass beim Autokauf sind schließlich ein gutes Argument“, ist sich Stefan Roßkothen sicher.

Beim Standnachbar konnte der interessierte Schreiner dann die neuesten Fahrzeuge der Marke Ford durch den Wohnhandwerker-Partner Bunk Autohaus begutachten. Jean-Marie Erbrech, Jörg Brülls, Michael Roth und Calogero Corbo vom Autohaus Bunk konnten den Schreinern sowohl den Ford Transit als auch den schnittigen Mustang Mach E vorführen und waren nach eigener Aussage am Ende des Tages mit der Resonanz an ihrem Stand zufrieden. Abgerundet wurde das Tagesprogramm durch Maschinenvorführungen der Ausbildungsmeister, etwa am Laser- Gravur-System, dem 3-D-Drucker sowie dem Aufschneiden von Holzstämmen mit der neuen Block-Bandsäge.

Am Ende des ebenso schönen wie – auch kulinarisch – erfolgreichen Tages waren alle zufrieden, dass alles geklappt hat, was man sich mutig vorgenommen hatte. Oder um mit den ironischen Worten des obersten Schreiner Deutschlands, Thomas Radermacher, zu schließen: „Man kann in allem scheitern, man muss sich nur dumm genug anstellen.“