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Bodenständig, engagiert und seit 40 Jahren treu

Schreiner Frank Rixecker ist ein Ausbund an Kontinuität und „der“ Holzspezialist bei Orgelbau Mayer in Heusweiler. Ungewöhnlich: Sein Chef ist über den durchsetzungsfähigen Betriebsrat voll des Lobes.

Am Arbeitsplatz von Teamleiter Frank Rixecker in der Windladen-Abteilung stechen zwei Sachen sofort ins Auge: die Ordnung und die noble Hobelbank der Marke Ulmia-Hobelbau, „dem Mercedes unter den Hobelbänken“, wie er sagt. Auf deren Frontseite ist nämlich sein Name und der erste Tag im Unternehmen eingraviert. Und das ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: In einem Monat, genauer am 15. März, feiert Frank Rixecker sein 40-jähriges Firmenjubiläum bei Orgelbau Mayer in Heusweiler – und sein Chef ist voll des Lobes über den verdienten Mitarbeiter und Betriebsrat. Das ist sehr schön, aber auch eher ungewöhnlich, sind doch durchsetzungsfähige Betriebsräte in ihren Unternehmen eher ein Dorn im Auge der Geschäftsführung. Nicht so in den verwinkelten Werkstätten der ehemaligen Volksschule Dilsburg, wo sich die erfolgreiche Orgelmanufaktur seit 1957 stetig ausgebreitet hat.

Frank Rixecker aus Riegelsberg ist dort so etwas wie die gute Seele des Hauses, oder wie es sein Chef Stephan Mayer sagt: „Herr Rixecker weiß hier über alles Bescheid.“ Auch das ist bemerkenswert, ist doch der so gelobte Schreiner und kein ausgewiesener Orgelbauer. Macht nix, denn wer 40 Jahre in einem Betrieb arbeitet und für sich den Anspruch hat, über den Tellerrand hinauszuschauen, dem nimmt man nur allzu gerne den Satz ab: „Ich fühle mich als Orgelbauer.“ Wenn er dann erklärt, erzählt, zeigt und schwärmt, wie so ein riesiges Instrument entsteht, dann ist klar, an dieser Stelle muss das Wort „engagiert“ platziert werden.

Das gilt auch für seine Freizeit mit den vielen Aktivitäten. Denn neben dem 40-jährigen Dienstjubiläum wurde er erst kürzlich für 25 engagierte Jahre als Mitglied des Verwaltungsrats der IKK Südwest geehrt (siehe auch Text auf Seite 8). Dort sitzen je zur Hälfte Versicherten- Vertreter und Abgeordnete der Arbeitgeberseite. 1995, bei der Gründung der gesetzlichen Innungskrankenkasse (zunächst für Schreiner, Fleischer und Maler), als Gegenpart zum damaligen Monopolisten AOK durfte jede Seite sieben Mitglieder entsenden, heute gehören dem Verwaltungsrat der IKK Südwest insgesamt 30 Vertreter an. „Das hat mit dem starken Mitglieder- Zuwachs zu tun“, erklärt IKK-Verwaltungsrat- Urgestein Frank Rixecker, der von seiner Gewerkschaft berufen wurde und den Ehrenamts-Job immer gerne gemacht hat, wie er heute sagt.

Gerne hat er auch immer Fußball gespielt, sogar bis 52. Auch hier sehr engagiert, auch hier kontinuierlich beim gleichen Verein und auf der gleichen Position. Sein Verein war und ist der 1. FC Riegelsberg, sein Revier das offensive Mittelfeld. Und im Winter: die Skipiste. Auch das schon immer und immer eine Woche und immer mit der Männergruppe der Altherren-Fußballer des 1. FC Riegelsberg. Nur der Wintersport- Ort wechselt jedes Jahr sehr bewusst.

Bewusst engagiert er sich auch in der Tarifkommission für die Schreiner im Saarland. Als Vertreter der IG Metall (bleibt kurios!) ist sein Widerpart bei den jährlichen Verhandlungen

um höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und so weiter Rechtsanwalt Michael Peter, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar: „Wir kommen gut klar und schätzen uns sehr“, sagt Frank Rixecker über den Arbeitgebervertreter.

Sein Arbeitgeber Stephan Mayer beschreibt Rixecker als einen „sehr, sehr aufrichtigen, aufgeschlossenen und teamfähigen Mitarbeiter. Er packt überall an, wo etwas zu tun ist“. So viel Lob vom Chef, da sollte die anstehende Jubiläumsgratifikation für den Holzspezialisten, wie Stephan Mayer ihn anerkennend nennt, entsprechend üppig ausfallen.

Apropos. Wo liegt eigentlich der Ursprung seiner Leidenschaft für die Holzverarbeitung? „Hantieren und arbeiten mit Holz hat mir schon immer Spaß gemacht und ich bin damit auch schon früh in Berührung gekommen, weil mein Onkel Schreiner war“, erzählt der 60-Jährige. Gelernt hat er übrigens bei der Schreinerei Dincher in Püttlingen, muss wohl auch gut gewesen sein, sonst würde er nicht noch heute so für seinen Beruf brennen.

Blieben noch zwei Fragen: Was ist eigentlich eine Windlade und was war das eindrucksvollste Instrument in seinen 40 Jahren, das er mitbauen durfte? Die letzte Frage kann er leicht beantworten, ist es doch die riesige Konzertsaal- Orgel mit 50 Registern, die sie gerade bei Orgelbau Mayer bauen und die im Herbst diesen Jahres im russischen Almetyevsk aufgebaut werden soll. Dort ist sie der Blickfang in einem Saal für 5.000 Zuhörer. Zum Vergleich: Im großen Saal der Elbphilharmonie gibt es gerade mal 2.100 Plätze.

Wenn alles rechtzeitig fertig wird, fahren sechs Orgelbauspezialisten aus Heusweiler zu Montagearbeiten nach Russland. Dort wird dann auch die Windlade Thema sein, denn sie ist das Herzstück, das technische Kernstück einer jeden Orgel, wie Stephan Mayer und Frank Rixecker unisono erklären, „während der Balg die Lunge ist“. Auf die Reise nach Almetyevsk freuen sich beide: der Chef und sein zupackender Betriebsrat!